Man findet’s in keinem Lehrbuch und keine wissenschaftliche Stellungnahme oder kein wissenschaftlicher Artikel hat jemals gesagt: Sportler dürfen keinen Kuchen essen oder sollen sich kein Schokokeks gönnen. Aber in Wahrheit ist es weit verbreitet, dass Sportlern nicht erlaubt ist, Süßigkeiten oder jegliches „schlechte, ungesunde“ Essen zu verzehren.

Warum glauben wir das? Warum fühlen sich so viele Sportler schuldig, wenn sie einen Schokoriegel oder Eiscreme essen?

Wenn man mit Sportlern spricht, hört man oft, dass sie keine Süßigkeiten essen, wenn sie in einer wichtigen Wettkampf-  oder Vorbereitungsphase sind. „es ist nicht gut für mich“, werden einem viele sagen. Von ehemaligen Sportlern hört man ähnliche Aussagen. Viele, wenn sie zurückblicken, sagen, dass sie während ihrer Karriere bestimmt Lebensmittel gemieden haben. Manche werden sagen, ihnen wurde gesagt, bestimmten Lebensmittel zu meiden. Gewöhnlich sind es diese Lebensmittel, die wir weitläufig als schlecht und ungesund einschätzen. Wenn man mit den Sportfans spricht, bekommt man eine ähnliche Antwort. Sie glauben ebenfalls, dass es Sportler besser ist, auf Snacks und Süßigkeiten zu verzichten.

Indem man einmal kurz darüber nachdenkt kommt man zu einem Punkt, wo man sich fragt, warum dentine wir so? Warum verträgt sich der Leistungssport nicht mit einem Keks?

Ein Grund für diese Haltung ist sicherlich, dass wir alle wissen, dass wir uns gesund und ausgewogen ernähren sollten – Sportler oder nicht. Jeder Ernährungsratgeber erzählt uns nämlich genau das. Naja, Süßigkeiten werden nun nicht wirklich als gesundes Essen eingestuft. Da ist also ein gutes Argument, warum Sportler ein Keks vermeiden sollten. Außerdem wissen wir, dass ein gesunder Körper sehr wichtig ist für den Sportler…überhaupt sollte alles um einen Sportler herum gesund sein, oder nicht? Und dann ist da die Geschichte vom vermeiden von kalorienreichen, fettreichen, Speisen um ein gutes Gewicht zu erreichen. Das sind also wieder Süßigkeiten (neben anderen Lebensmitteln, natürlich). es kann daher nur logisch sein, dass Sportler kein Keks essen sollen.

Aber schauen wir, was die Lebensmittelpyramiden und Ernährungsrichtlinien verschiedener Ernährungsgesellschaften sagen. Behaupten die wirklich: keine Süßigkeiten? Keine Kekse? Eigentlich nicht…Ernährungsgesellschaften empfehlen, Süßigkeiten nur in kleinen Mengen zu konsumieren. Üblicherweise ist es die Spitze der Pyramide, was bedeutet, nur ganz kleine Mengen.

Warum aber meiden Sportler dann jede Art von Süßigkeiten?

In vielen Sportarten, wo Körpergewicht eine wichtige Rolle spielt, z.B. Radfahren, laufen, Hochsprung, wird es als normal empfunden, dass Athleten bestimmte Lebensmittel meiden. Wenn man richtig gut werden will, musst du Diäten machen und die Nachspeise auslassen. Das ist nicht wahr. Das ist kein „normales“ Essen. Das ist ebensowenig ein gesundes Essverhalten. Tatsache ist: Sport und seine Gemeinschaft hat es so weit gebracht, dass es als normal empfunden wird. Die Tatsache, dass einige Sportler besessen sind von der „Pflicht“ gesund zu essen, Kalorien zu zählen, Gramm Kohlenhydrate und Fett zu kontrollieren scheint für viele Teil des Sports zu sein. Wenn man ein Sportler sein will, dann muss man das machen. Essen ist der Feind. Essen erzeugt Stress und schlechte Stimmung. Essen ist was Schlechtes.

Das ist das wahre Problem. Was nicht normal und gesund ist, wurde – über die Jahre – etwas, dass als normal und richtig empfunden wird. Und genau das ist etwas, woran ich mit meinen Sportlern tagtäglich arbeite. Essen soll ihre Geheimwaffe werden. Essen soll ihnen die Kraft geben, die sie zum Erfolg führt. Meistens gesundes Essen, aber manchmal auch die „schlechten“ Sachen. Ohne schlechtes Gewissen. Anstatt über jedes Keks nachzudenken, das sie heimlich gegessen haben, genießen sie das Keks. Sie haben Frieden geschlossen mit dem Essen und Ernährung. Auch das bezeichnet man als Gesund Sein: Wohlbefinden und Glücklich Sein, innere Ausgewogenheit.

Sollst du das Keks essen, das gerade vor dir am Küchentisch liegt? Na klar sollst du. Es ist gut für dich!